Dienstag, 1. März 2016

"11 Grad, 11 Grad, 11 Grad, 11 Grad, ..."

Nachdem die Theorie nun endlich vorbei ist, stellen wir uns seit ca. 4 Wochen der nächsten Herausforderung, dem Instrumentenflug. Viele Monate haben wir darauf hin gefiebert und sind nun endlich in der FNPT Phase (Flight Navigation Procedure Trainer), im Simulator der Piper PA44, einem zweimotorigen Propellerflugzeug, angekommen. In diesem Simulator werden im 2 Mann Cockpit An- und Abflüge simuliert, Navigation per GPS sowie Funkstationen am Boden angewandt und zusätzlich das Verhalten bei Fehlfunktionen, Ausfall der Instrumente und weitere kritische Situationen wie Triebwerksausfälle, trainiert!

Ich möchte mich kurz vorstellen und euch mit diesem Bericht nähere Einblicke in die Tagesabläufe und Vorbereitungen unserer jetzigen Simulatorphase geben.
Mein Name ist Fabrizio, ich bin 22 Jahre alt und verfolge den Traum vom Fliegen schon seit meiner jüngsten Kindheit. Direkt nach dem Abitur ging es für mich zunächst 6 Monate ins Ausland. Ein weiteres halbes Jahr darauf begann für mich die Ausbildung bei Condor. Fliegerische Erfahrung besitze ich im Segelflug.
Einweisung -
Kurz vor unserer ersten "Flugstunde" stand zunächst einmal eine 3-tägige theoretische Einweisung in die generellen Verfahren des Instrumentenflugs an.
In dieser Einweisung lernten wir den Simulator näher kennen, wurden in die komplexen Systeme des Simulators eingewiesen und durften uns an zahlreichen simplen Kopfrechnungen, die während des Fluges von großem Nutzen sind, erfreuen.

Flugstunden -
Nun konnte es endlich losgehen!
Jeder Flug startet bereits zuhause mit der ausführlichen Flugvorbereitung. Die Ab- und Anflugstrecke, einzelne Streckensegmente, Funkfrequenzen, Sicherheitshöhen und Verfahren verschiedener Flugzustände werden dabei genau studiert und beim Briefing 1h vor Take-off mit dem Fluglehrer noch einmal besprochen. Die Schwierigkeit der Aufgaben und Ansprüche an unsere Fähigkeiten werden in jeder weiteren Simulatorstunde gesteigert. Die hieraus resultierende, steigende Arbeitsbelastung können wir mit der schnell erlangten Routine aber gut kompensieren. Vorteile bietet dabei das Modell des 2-Mann Cockpits, bei der die Arbeit auf Pilot Flying (wie der Name schon sagt: seine primäre Aufgabe ist das Fliegen) und Pilot Non-Flying (Pilot Monitoring) aufgeteilt wird. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem das Funken, Programmierung der Navigationssysteme, Ausfahren des Fahrwerks und der Landeklappen, die Überwachung der Instrumente und das Abarbeiten und Vorlesen der Checklisten. Zusätzlich unterstützt er den Pilot Flying fliegerisch.
Nach 1h Flugzeit wechseln dann die Rollen – ähnlich wie später im "echten Leben". Auch hier tauschen Kapitän und Copilot regelmäßig ihre Funktionen (Pilot Flying/Pilot Non-Flying), sodass beide per se dazu befähigt sind, jederzeit auch die Aufgaben des anderen zu übernehmen. Nach 2h und einer sicheren Landung in Düsseldorf, Köln, Münster oder Dortmund, folgt dann das De-Briefing gemeinsam mit dem Instructor. Hier wird der gesamte Flug rückblickend besprochen: Abläufe, die den Erwartungen entsprachen und die, bei denen Verbesserungsbedarf besteht.


Tagesablauf -
Für diesen Ausbildungsabschnitt sind wir zu 2er Teams zusammengebracht worden, die in Schichten nacheinander im Simulator fliegen. Demzufolge sind die Tagesabläufe jedes Teams völlig unterschiedlich. Das erste Team startet die Motoren um 0700, das letzte Team eines Tages erst um 1600. Wie bereits angesprochen beginnt das Briefing bereits 1h vor Take-off. Wer also die erste Schicht bekommt, kann sich schon mal auf frühes Aufstehen und eventuelles Freikratzen der Autoscheibe einstellen ;-) Fairerweise rotieren die persönlichen "Abflugzeiten".
Besonders verglichen mit der Vorbereitung auf die LBA Prüfung hat dennoch jeder ausreichend Freizeit, nach oder vor den Flügen, um sich mit Freunden zu treffen, Hobbies nachzugehen, Sport zu machen oder einfach abends gemeinsam einen Spieleabend zu verbringen.
Die Praxisphase bietet also gerade im Vergleich zur Theorie eine Menge Abwechslung, einen Nachteil gibt es jedoch auch: Man trifft seine Kurskollegen leider nicht mehr regelmäßig in der Schule. Aus diesem Grund werden gemeinsame Abende organisiert, an denen Pizza backen und der Austausch neuer Erfahrungen und Eindrücke der Fliegerei im Vordergrund stehen. ;-)

Der Simulator/Instrumentenflug -
Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue wie realistisch der Simulator ist und welch zahlreiche Möglichkeiten er bietet.
Ob Tag oder Nacht, gutes oder schlechtes Wetter (Sonnenschein, Regen oder Schnee) liegt ganz im Ermessen des Instructors. Trotz der vielen Szenarien fliegen wir meistens ohne Sicht durch die Wolken und sehen die Landebahn oft erst kurz vor dem Aufsetzen. Zu Übungszwecken des Instrumentenflugs sind diese Vorgaben am sinnvollsten.
Das Fliegen und das Miteinander mit unseren Lehrern waren zu jeder Zeit äußerst angenehm und brachten auch neben dem Fliegen eine Menge Spaß! An dieser Stelle einen großen Dank an die Lehrer für die aufgebrachte Geduld. Viele von uns werden den Spruch: "11 Grad Pitch, 11 Grad Pitch, 11 Grad Pitch!" lange in Erinnerung behalten. Gemeint ist damit der Steigwinkel von 11 Grad beim Start, der für die PA44 optimal ist und dessen exakte Einhaltung uns gerade zu Beginn herausgefordert hat.


Ausblick auf die nächste Phase -
Während wir in den ersten Stunden erkannten, noch Anfänger zu sein, ist es beeindruckend zu erkennen, wie unsere fliegerischen Fähigkeiten in relativ kurzer Zeit zunahmen. Dank allen, die dazu beigetragen haben! Nun neigt sich die erste Simulatorphase dem Ende zu und wir blicken mit großer Freude nach vorne auf unsere ersten Stunden im echten Flieger unter freiem Himmel. Hier werden wir unser erlerntes Wissen endlich real umsetzen.
Es hat mir großen Spaß gemacht den Bericht zu schreiben und hoffe ich konnte euch interessante Einblicke zu unserem jetzigen Stand geben. Im nächsten Artikel versorgen wir Euch dann unter anderem wieder mit Bildern unserer Flüge durch die Wolken!